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07.12.07 16:56 Alter: 264 Tage

Zukunft der Bildung

Von: Carsten Schönebeck, Greifswald & Münster

Die Welt wird kleiner

Bildung ohne Grenzen: Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands auf dem Prüfstand ? eine Perspektivtagung der Hans-Martin-Schleyer-Stiftung in Köln

 

?Die Welt wird kleiner?, so sagt man im Allgemeinen wenn man von dem Phänomen Globalisierung spricht. Dieser Satz bezieht sich auf die internationalen Warenmärkte, aber speziell auch auf den Austausch von Informationen und auf den immer härteren Wettbewerb um Qualifikation und Wissen.

 

Mit dieser Problematik beschäftigte sich am vergangenen Montag das ?Forum Köln?, eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion der Hans Martin Schleyer-Stiftung, der Kienbaum-Stiftung und der Universität zu Köln. Auf Einladung der Schleyer-Stiftung nahmen die Greifswalder Studenten Daniel Waterreus und Carsten Schönebeck an dieser Veranstaltung teil.

 

PISA und allen weiteren OECD-Studien zum trotz genießt das hiesige Bildungssystem international immer noch einen hervorragenden Ruf. Noch werden in diesem Land Spitzenakademiker ausgebildet, doch werden es beharrlich weniger und ihre soziale Herkunft wird stetig entscheidender. ?Wir hoffen, dass die jüngsten Reformen nun auch schnell im Land greifen? aber das ?das Thema bleibt weiter kritisch und auf der Tagesordnung, weil diese Reformen bei uns immer noch viel zu langsam und zu halbherzig angefasst werden?, so Hans Kreher, der bildungspolitische Sprecher der FDP im Landtag in Schwerin. Denn ?die Globalisierung ist auch in der Bildungspolitik ein Faktum und deshalb müssen wir uns darauf einstellen?, fordert der erfahrene Pädagoge.

 

Immer wieder wird in Deutschland der Rohstoff Bildung beschworen und doch ist man sich in der Politik weder über Weg noch Ziel einig. Finnland ? so heißt seit Jahren das große Vorbild im Schulsystem, gemeinsames Lernen unabhängig von Begabung und Voraussetzungen, doch das hat seinen Preis. Das die Bildungsinvestitionen in Relation zum BIP in Finnland deutlich höher liegen, als in unserem Land, ist ein Faktor, dass die Schulen hierzulande über das ihnen zustehende Geld kaum selbst bestimmen können, ein anderer. So wird, selbst wenn ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, ein neuer luxuriöser Schulhof gebaut während Klassenräume und Turnhallen vermodern.

 

Auf der einen Seite wollen wir also im Schulsystem sicher stellen, dass niemand benachteiligt wird, auf der anderen Seite werden seit Kurzem Elite-Universitäten und Studiengebühren propagiert. Grundlegende Probleme wie einen gesunden Wettbewerb mit wirtschaftlichen Freiräumen unter den Ausbildungsstätten und die öffentliche Anerkennung des Lehrerberufs liegen dabei seit Jahren brach. ?Das soziale Berufe in Deutschland, kaum anerkannt sind, ist mittlerweile schon traurige Tradition in diesem Land?, so der Berliner Schulleiter Dr. Hinrich Lühmann.

 

Das eigentliche Problem stellen in Deutschland jedoch die Ausbildungsberufe dar. Zwar wird laut Peter Löscher (Vorstandsvorsitzender der Siemens AG) ??das duale Ausbildungssystem Deutschlands in der ganzen Welt geschätzt.?, der seit Jahren angespannte Arbeitsmarkt aber, zieht die gut ausgebildeten Schulabgänger mehr und mehr an die Hochschulen. Wenn in den kommenden Jahren die demographische Falle zuschnappt, werden wir es, besonders in den neuen Ländern mit einem enormen Mangel an hochqualifizierten Fachkräften zu tun bekommen, falls es uns nicht doch noch gelingt diesen Bildungszweig für junge Menschen wieder attraktiver zu gestalten.

 

Bildung war schon immer Ländersache, und ist es seit der letzten Förderalismusreform mehr denn je. Nicht gerade die beste Voraussetzung um das Fundament der deutschen Wirtschaft, das an vielen Ecken bereits bröckelt, neu zu gießen. Was wir brauchen sind nicht landesspezifische und damit parteipolitische Entscheidungen, sondern eine grundlegende und bundesweite Reform, die endlich sagt wo es hin geht mit dem deutschen Bildungssystem.

 

Die Antworten auf all diese Fragen werden in den kommenden Jahren essentielle Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit der BRD haben. Sachliche Information und Diskussion, wie im Rahmen des ?Forum Köln? geschehen, sind der Grundpfeiler jeder demokratischen Neugestaltung. So lässt sich nur hoffen, dass auch in Mecklenburg-Vorpommern engagierte Förderer und Stiftungen die öffentliche Debatte unterstützen.

 

Carsten Schönebeck, Greifswald & MÜnster